Carl, Lena C.; Klein, Rebekka; Schmucker, Martin; Lösel, Friedrich:

Prädiktoren und Korrelate von Behandlungsabbrüchen bei inhaftierten Jugendstraftätern

Vorzeitiger Therapieabbruch bei Straftätern ist mit zahlreichen negativen Konsequenzen verbunden. Abbrecher profitieren weniger vom Programm, weisen in der Regel ein höheres kriminelles Risiko auf und werden häufiger rückfällig als selbst unbehandelte Straftäter. Faktoren zu identifizieren, die einen Behandlungsabbruch vorhersagen können, ist demnach für die Kriminalprävention von großer Bedeutung. Besonders relevant erscheint dabei die Betrachtung jugendlicher Straftäter, da deren intramurale Behandlung die höchsten Abbruchraten aufweist, bisherige Forschung aber sehr heterogene Befunde in Bezug auf Risikofaktoren für einen späteren Therapieabbruch erbracht hat. Die vorliegende Studie untersucht Prädiktoren und Korrelate von Behandlungsabbrüchen bei jugendlichen Straftätern in sozialtherapeutischer Behandlung (n = 162) anhand von Aktenanalysen und Selbstberichtsdaten. Differenziert wurde dabei zwischen jugendlichen Gewalt- und Sexualstraftätern. In bivariaten Analysen waren das Rückfallrisiko zu Behandlungsbeginn, das Engagement in der Behandlung und die Risikoveränderung während der Therapie sowohl bei Gewalt- als auch bei Sexualstraftätern signifikant mit Therapieabbruch assoziiert. In einem hierarchischen Regressionsmodell waren statische Prädiktoren weniger relevant für den Therapieabbruch als Aspekte der Behandlungsteilnahme und des Behandlungserfolgs. Abschließend werden Implikationen für die Behandlungsplanung und Eingangsdiagnostik diskutiert und erörtert.