Endres, Johann; Breuer, Maike M.

Qualifizierungs- und Behandlungsmaßnahmen im Jugendstrafvollzug und ihre Effekte auf die Wiederinhaftierung

Der Jugendstrafvollzug ist in besonderem Maße auf Erziehung und Resozialisierung ausgerichtet. Neben sozialen Trainings und therapeutischen Angeboten kommt dabei Maßnahmen der schulischen und beruflichen Qualifizierung eine besondere Bedeutung zu. Erstaunlicherweise gibt es jedoch sehr wenig methodisch akzeptable Forschung zu den rückfallpräventiven Effekten dieser Maßnahmen. Ein großes methodisches Problem liegt darin, dass die Zuweisung zu den Maßnahmen nicht zufällig erfolgt, sondern von vielen Merkmalen abhängt, die ihrerseits Einfluss auf den Rückfall haben. Erforderlich sind also statistische Analysen, bei denen diese Einflussfaktoren kontrolliert werden.
In der vorliegenden Studie werden Daten von 611 Entlassenen aus dem bayerischen Jugendstrafvollzug aus dem Zeitraum April 2013 bis Januar 2015 analysiert. Als abhängige Variable wird die erneute Inhaftierung bis Sommer 2017 verwendet; dies ergibt einen Beobachtungszeitraum von im Mittel drei Jahren. Die Wiederinhaftierung (unter Verwendung von Informationen aus der Vollzugsdatenbank) hat sich in früheren Auswertungen bereits als brauchbarer Indikator des kriminellen Rückfalls erwiesen (Endres & Breuer, 2016). Da die erneute Inhaftierung entweder einen gravierenden Verstoß gegen Bewährungsauflagen oder eine Verurteilung wegen schwerwiegender neuer Straftaten voraussetzt, liegt die Rückfallrate nach zwei Jahren gemäß diesem Kriterium bei etwa einem Drittel.
Mittels multipler Regressionsanalysen werden die Effekte von Qualifizierungs- und Behandlungsmaßnahmen auf die Wiederinhaftierung bestimmt, wobei biographische Belastungsfaktoren und Aspekte des Behandlungsbedarfs als Kovariaten verwendet werden.