Kotenok, Maria; Hausam, Joscha; Schmidt, Alexander; Dahle, Klaus-Peter:
Zur Bedeutung der therapeutischen Allianz in der Straftäterbehandlung

Eine gute Beziehung ist im therapeutischen Prozess ausschlaggebend für Therapieerfolg. Die wenigen Studien im Bereich der Straftäterbehandlung greifen hauptsächlich auf das vielfach validierte Working Alliance Inventory (WAI) mit seinen drei zugrundeliegenden Subskalen Goal, Task und Bond zurück. Die empirische Befundlage ist bislang noch wenig eindeutig, weist aber zumindest darauf hin, dass eine therapeutische Allianz mit Straftätern generell möglich ist und mit Erfolgskriterien (z.B. erfolgreiche Bewährungszeit) zumindest schwache Zusammenhänge aufweist. Die vorliegende Studie untersuchte die Bedeutung der therapeutischen Allianz bei 87 Patienten des Maßregelvollzugs (§ 64 StGB) unter Berücksichtigung des statistischen Ausgangsrisikos (RM-2000) und Psychopathy-Scores (PCL-R). Die Ergebnisse zeigen zunächst, dass Patienten die Qualität der therapeutischen Allianz höher einschätzten als ihre zuständigen Therapeutinnen und Therapeuten. Lediglich auf der Subskala Bond gab es keine bedeutsamen Unterschiede. Patienten mit einem höheren Risiko wiesen dabei sowohl in der Selbst- als auch Fremdeinschätzung geringere Werte im WAI auf. Mittels Moderatoranalysen konnte schließlich die prädiktive Validität der therapeutischen Allianz belegt werden. Patienten mit höherem Risiko bei gleichzeitig geringer Qualität der therapeutischen Allianz wiesen dabei den ungünstigsten Behandlungsverlauf, mehr Suchtmittelrückfälle und Lockerungssperren in den ersten 6 Monaten auf. Dabei leisteten Selbsteinschätzungen bisweilen eine bessere Vorhersage als Fremdeinschätzungen. Differenzielle Zusammenhänge sowie praktische Implikationen der Ergebnisse werden diskutiert.