Müller, Marcus; Gregório Hertz, Priscilla; Retz, Wolfgang; Rettenberger, Martin

Ist der VRAG-R auch für die Vorhersage von Gewalt- und Sexualstraftaten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen geeignet? Eine Untersuchung zur prädiktiven Validität an einem 13-Jahre Follow-up

Der Violence Risk Appraisal Guide-Revised (VRAG-R; Rice et al., 2013) ist ein auf empirischen Befunden beruhendes kriminalprognostisches Instrument und wurde für die Einschätzung der Wahrscheinlichkeit der Begehung von Gewaltdelikten (inklusive Sexualstraftaten) mit Hilfe von überwiegend statischen Risikofaktoren entwickelt. In der hier vorgestellten Studie wird die deutsche Version des VRAG-R an einer Stichprobe von 129 Gewalt- und Sexualstraftätern aus dem Jugendstrafvollzug hinsichtlich ihrer prädiktiven Validität untersucht. Zu diesem Zweck wurde der VRAG-R retrospektiv angewendet und mit Hilfe der 13 Jahre später vorliegenden Bundeszentralregisterauszüge konnte die Rückfälligkeit der Probanden für unterschiedliche „at risk“-Zeiträume ermittelt werden. Mithilfe von ROC-Analysen wurden zur Bestimmung der prädiktiven Validität die AUC-Werte ermittelt. In einer vorläufigen Analyse der Daten zeichnet sich eine gute prädiktive Validität mit AUC-Werten von über AUC = .72 ab. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die deutsche Version des VRAG-R auch zur Vorhersage von Gewaltrückfällen bei jugendlichen Gewalt- und Sexualstraftätern im deutschsprachigen Raum geeignet ist und so einen wesentlichen Beitrag zur kriminalprognostischen Einschätzung leisten kann.