Wertz, Maximilian; Kury, Helmut

Umsetzung der Mindestanforderungen an Prognosegutachten in der Praxis? Eine empirische Validierung unter Berücksichtigung der Rückfallquoten

Prognostische Gutachten über Gewalt- und Sexualstraftäter sind mit hohen Erwartungen an die Vorhersagegüte verbunden. Die Durchsicht der aktuellen Forschungsliteratur zeigt zahlreiche Hinweise auf eine stark variierende Gutachtenqualität. Seit der Veröffentlichung von Mindestanforderungen an Prognosegutachten einer interdisziplinären Arbeitsgruppe (Boetticher et al., 2006) lassen sich keine empirischen Belege finden, ob und in welcher Form diese auch in der Praxis umgesetzt werden. Anhand eines Erhebungsbogen wurde die Qualität von Prognosegutachten aus der Justizvollzugsanstalt Freiburg und der Abteilung für Forensischen Psychiatrie der Uniklinik München (N = 502) analysiert. Darauf aufbauend wurden die günstig gerichteten Prognosegutachten anhand der Trefferquoten in der Praxis außerhalb des Strafvollzugs mittels Bundeszentralregisterauszug mindestens fünf Jahre nach Entlassung bzw. Lockerung der Probanden validiert und in Kontext mit der Einhaltung der formulierten Mindeststandards gesetzt. Es zeigt sich zusammenfassend, dass die Mindestanforderungen an Prognosegutachten im Gegensatz zur universitären Institution in der externen gutachterlichen Praxis der Justizvollzugsanstalt nur teilweise angekommen sind und signifikant stärker durch psychologische Gutachter als durch Psychiater umgesetzt werden, was trotz der Verbesserung seit der Publikation der Mindestkriterien verdeutlicht, dass Handlungsbedarf im Rahmen der Qualitätssicherung und Überprüfung derartiger Standards aus der Forschung besteht. Die Umsetzung der Mindestanforderungen steht dabei in einem positiven Zusammenhang mit der Trefferquote günstig gerichteter Prognosegutachten laut BZR-Auszug.