Gregório Hertz, Priscilla; Eher, Reinhard; Rettenberger, Martin

Validierung des Violence Risk Appraisal Guide-Revised (VRAG-R) anhand einer Sexualstraftäterstichprobe aus Österreich

Die Validität des statistisch-aktuarischen Kriminalprognoseinstruments Violence Risk Appraisal Guide-Revised (VRAG-R; Rice et al., 2013) wird anhand einer deutschsprachigen Stichprobe von Sexualstraftätern untersucht. Der VRAG wurde 2013 mit dem Ziel revidiert, den VRAG und den SORAG durch ein einziges Verfahren zu ersetzen, das das gewalttätige Rückfallrisiko (inklusive Hands-on-Sexualstrafftaten) von bereits einmal strafrechtlich in Erscheinung getretenen Menschen einschätzen kann. Insgesamt 534 Sexualstraftäter mit einer durchschnittlichen time-at-risk von M = 7.62 Jahren (SD = 1.5) wurden mittels eines retrospektiven Designs untersucht. Der VRAG-R zeigte eine gute Diskriminationsfähigkeit (AUC = .75) für die Vorhersage des gewalttätigen Rückfalls. Auch für den allgemeinen Rückfall wurde eine gute Diskriminationsfähigkeit festgestellt (AUC = .78). Hingegen waren die AUC-Werte für den allgemeinen sexuellen und sexuellen Hands-on-Rückfall als gering einzustufen (AUC = .63 und .61). Darüber hinaus lieferte der VRAG-R eine signifikante inkrementelle prädiktive Validität über den SORAG und den Static-99 hinaus. Die absoluten Rückfallraten innerhalb jeder Risikokategorie zeigten eine gute Kalibrierung. Die Ergebnisse unterstützen die Anwendung des VRAG-R auch im deutschsprachigen Raum und stellen dem kriminalprognostischen Sachverständigen ein weiteres Instrument für prognostische Einschätzung des Gewaltrisikos zur Verfügung.