Clemens, Franziska

Gegenstrategien von unschuldigen Verdächtigen in strategischen vs. nicht-strategischen Vernehmungen [Lügendetektion]

Die strategische Vernehmungsmethode „Strategic-Use-of-Evidence“ (SUE) Technik begründet ihren Erfolg bei der Lügendetektion u.a. damit, dass sie auf Forschungserkenntnissen zu den Gegenstrategien Verdächtiger aufbaut. Gegenstrategien werden von Verdächtigen angewendet, damit sie einer Vernehmung erfolgreich standhalten. Jedoch wurde in den wenigen Studien zu den Gegenstrategien häufig mit stark vereinfachten Szenarien gearbeitet. Somit ist fraglich, ob die durch diese Studien ermittelten Gegenstrategien repräsentativ für die häufig komplexeren realen Situationen sind.
In dieser Mock-Crime Studie wurden Probanden als Verdächtige zu einer Straftat vernommen, die sie alle nicht begangen hatten. Alle Probanden hatten sich jedoch am Tatort aufgehalten – die eine Hälfte, um dort eine rechtmäßige Handlung auszuführen (n = 50), die andere Hälfte, um dort eine unrechtmäßige Handlung auszuführen (n = 50). Die Probanden wurden anschließend randomisiert zwei Vernehmungsbedingungen (strategisch mit SUE vs. nicht-strategisch) zugeordnet.
Diese Studie untersucht, ob sich die Gegenstrategien von Personen unterscheiden, die bezüglich der Straftat, die im Vernehmungsfokus steht, unschuldig sind und die entweder auf Grund einer rechtmäßigen Handlung am Tatort waren oder auf Grund einer unrechtmäßigen Handlung. Darüber hinaus soll geklärt werden, ob sich die Art der Vernehmung (strategisch mit SUE vs. nicht-strategisch) unterschiedlich auf die Aussagequalität dieser beiden Gruppen von Unschuldigen auswirkt. Die Studienergebnisse werden vorgestellt und diskutiert.