Wallner, Susanne; Stemmler, Mark

Bedeutsamkeit von Risiken aus unterschiedlichen Bereichen für physische Aggression und Delinquenz in Kindheit und Jugend

Die Daten, auf die Bezug genommen wird, stammen aus der Längsschnittstudie „Die Entstehung und Entwicklung devianten und delinquenten Verhaltens im Lebensverlauf und ihre Bedeutung für soziale Ungleichheitsprozesse“ („Chancen und Risiken im Lebensverlauf – CURL“, z.B. Reinecke & Stemmler, 2011; Reinecke, Stemmler & Wittenberg, 2016), die als Teil des Sonderforschungsbereichs „Von Heterogenitäten zu Ungleichheiten“ (SFB 882) bis 2016 von der DFG an der Universität Bielefeld gefördert wurde. Im Rahmen der Studie wurden die Selbstberichte von Schülerinnen und Schülern aus Dortmunder und Nürnberger Schulen analysiert. Zu T1 umfasste die Stichprobe der fünften Jahrgangsstufe N = 1336 Kinder; in der neunten Jahrgangsstufe konnten N = 1421 Jugendliche befragt werden. Die Angaben zu Risiken aus unterschiedlichen Bereichen, die aus entwicklungspsychopathologischer Sicht zu dissozialen Entwicklungsverläufen beitragen können, wurden mit physischer Aggression und Delinquenz im letzten Jahr in Beziehung gesetzt. Insgesamt deuten die empirischen Befunde darauf hin, dass jeweils ungünstige bzw. das Risiko einer malignen Entwicklung potentiell erhöhende Risikomerkmale einen Beitrag zur Identifikation besonders physisch aggressiver bzw. delinquenter Kinder und Jugendlicher leisten können. Zusätzliche Ergebnisse zur Bedeutsamkeit von Risiken aus unterschiedlichen Bereichen (z.B. Umwelt, Individuum, Familie) für die Entwicklung physisch aggressiven bzw. delinquenten Verhaltens ergänzen die Darstellung. Die Befunde werden vor dem Hintergrund der Developmental Criminology diskutiert.