Weiss, Maren; Stemmer, Mark

Einflüsse des Klassenkontextes auf die Delinquenz in der frühen Jugend

Hintergrund. Einflüsse des Schul- und Klassenkontextes wurden bisher primär in Fragestellungen zur Schulleistung, weniger in Bezug auf abweichendes Sozialverhalten erforscht. Wir untersuchten den Einfluss des Klassenkontextes auf Delinquenz in der Sekundarstufe 1 anhand von Daten aus dem Teilprojekt „Die Entstehung und Entwicklung devianten und delinquenten Verhaltens im Lebensverlauf und ihre Bedeutung für soziale Ungleichheitsprozesse“ des Sonderforschungsbereichs 882 „Von Heterogenitäten zu Ungleichheiten“, der von 2012 bis 2016 an der Universität Bielefeld angesiedelt war.
Methode. Die vorliegenden Auswertungen beziehen sich auf n = 997 Schülerinnen und Schüler aus 71 Schulklassen in Nürnberg und Dortmund, die in der 5. und 6. Jahrgangsstufe befragt wurden. Als individuelle Risikofaktoren wurden frühere Delinquenz und schulbezogene Normbindung berücksichtigt, als klassenbezogene Faktoren die Zusammensetzung der Schülerschaft, sowie Kohäsion und soziale Kontrolle an der Schule. Abhängige Variable war die Delinquenz, erhoben mit der Delinquenzbelastungsskala (DBS).
Ergebnisse. Auf Ebene der Schulklassen fanden sich deutliche längsschnittliche Zusammenhänge zwischen Merkmalen der Klasse und dem Anteil devianter Schülerinnen und Schüler. In Mehrebenenanalysen zeigte sich, dass die Zusammensetzung der Schülerschaft delinquentes Verhalten beim Einzelnen – über individuelle Risiken hinaus – beeinflusste. Zudem scheint ein normkonformes Klassenumfeld das individuelle Risiko abzupuffern. Implikationen und offene Fragen werden diskutiert.