Graf, Sarah Felicitas; Yoon, Dahlnym; Findeis, Charlotte; Dahle, Klaus-Peter

Der Beitrag geschlechtsspezifischer Faktoren zur Risikoeinschätzung weiblicher Inhaftierter

Die Frage nach der Bedeutung geschlechtsspezifischer Faktoren bei Gefährlichkeitsprognosen straffällig gewordener Frauen hat in den vergangenen Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erfahren. Während einige Studien dabei insbesondere die Relevanz geschlechtsneutraler Risikofaktoren für eine adäquate prognostische Einschätzung bestätigen, verweisen andere auf einen eigenständigen Beitrag geschlechtsspezifischer Risikofaktoren. Mit dem HCR-FAM (De Vogel, V., de Vries Robbé, M., Van Kalmthout, W., & Place, C., 2012) existiert für den HCR-20, einem der meist verbreiteten Risikoinstrumente zur Vorhersage von Gewaltdelikten, eines von nur sehr wenigen Instrumenten mit ergänzenden Kodierrichtlinien und zusätzlichen geschlechtsspezifischen Items für Gewalttäterinnen. Eingehende Untersuchungen zur prognostischen Güte und inkrementellen Validität des HCR-FAM sind allerdings noch ausstehend. Ziel der referierten Studie ist die Validierung des HCR-FAM an einer deutschen Stichprobe weiblicher Strafgefangener. Dazu wurde der HCR-FAM bei Frauen, die sich wegen gravierender Straftaten im Berliner Strafvollzug befanden, angewendet und seine prognostische Güte anhand disziplinarischer Verstöße untersucht. Im Rahmen des Vortrags werden erste Analysen zur Vorhersagegüte des Instruments vorgestellt und Implikationen für die wissenschaftliche und klinische Praxis diskutiert.

Keywords: weibliche Strafgefangene, geschlechtsspezifische Risikofaktoren, HCR-20, HCR-FAM, Validierung