Rücknagel, Stefanie; Yoon, Dahlnym; Dahle, Klaus-Peter

Der Vergleich behandelter und unbehandelter Sexualstraftäter hinsichtlich Risiko- und Schutzfaktoren

Bisherige Untersuchungen konnten Behandlungseffekte bei Sexualstraftätern im Sinne einer gesenkten Rückfallwahrscheinlichkeit nachweisen, wobei die Studien sich primär auf behandelte Sexualstraftäter bezogen. Wenige Studien weisen auf die stärkere Ausprägung der Risikofaktoren bei unbehandelten bzw. nicht vollständig behandelten Sexualstraftätern hin. Durch das Bundesstrafvollzugsgesetz (§9 Abs. 1) ist vorgesehen, Sexualstraftäter mit einer Freiheitsstrafe von über zwei Jahren in eine sozialtherapeutische Einrichtung zu verlegen. Dennoch lassen sich im Berliner Strafvollzug einige Sexualstraftäter finden, die ohne Behandlung im Regelvollzug untergebracht sind. Eine genauere Betrachtung dieser Gruppe im Vergleich zu den behandelten Sexualstraftätern könnten Implikationen für die Gestaltung der Aufnahmeprozedere liefern.

Ziel der vorliegenden Studie war daher in erster Linie die Gegenüberstellung von behandelten und unbehandelten Sexualstraftätern hinsichtlich deren Risiko- und Schutzfaktoren. Die Studie ging u.a. der Frage nach, auf welchen Risiko- und Schutzfaktoren die Gruppen Unterschiede aufweisen um mögliche Zuweisungskriterien zur Sozialtherapie zu eruieren. Bei der Gesamtstichprobe handelt es sich um erwachsene, männliche Sexualstraftäter. Aus Gefangenenpersonalakten wurden retrospektiv zum gleichen Zeitpunkt des Haftverlaufs die Ausprägungen von statistischen Risikofaktoren (Static-99), dynamischen Risikofaktoren (Stable-2007) sowie Schutzfaktoren (SAPROF) eingeschätzt. Vorläufige Ergebnisse deuten auf Unterschiede in den Risiko- und Schutzfaktoren hin, in dem „high-risk, high-need“ Sexualstraftäter eher unbehandelt bleiben, welche den bisherigen metaanalytischen Befunden entsprechen. Praktische Implikationen werden diskutiert.