Yoon, Dahlnym; Lehmann, Robert; Dahle, Klaus-Peter

Einfluss der Lebensbedürfnisse von Straftätern nach „Good-Lives“ Modell auf den Behandlungsverlauf

Das Good Lives-Modell (GLM) findet zunehmende Akzeptanz in der forensischen Behandlungspraxis. Allerdings sind bisher wenige empirische Studien zur Wirksamkeit einer GLM-orientierten Behandlung vorhanden, wobei die Autoren des GLM betonen, dass der GLM-Ansatz über die Risk-Need-Responsivity Prinzipien hinaus zu einem besseren Behandlungseffekt beitragen.
Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden Sexual- und Gewaltstraftäter im Berliner Justizvollzug im Verlauf der Behandlung hinsichtlich der Veränderung von Risikofaktoren untersucht. Mit einem multi-methodischen Ansatz wurden die Risikoprofile durch externe Beurteiler erstellt. Die Einschätzung der Ausprägung von Lebensbedürfnissen (im Sinne von primären Gütern) sowie der Verfügbarkeit von Ressourcen für die Bedürfnisbefriedigung (im Sinne von sekundären Gütern) erfolgte durch die zuständigen Therapeuten.
Die von Therapeuten eingeschätzten Bedürfnisse zeigten einen moderierenden Einfluss auf den Behandlungsverlauf, demnach bei hohem Bedürfnisniveau eine verstärkte Reduktion des Rückfallrisikos stattfand. Die Anzahl der vorhandenen Ressourcen bzw. Schutzfaktoren spielte demgegenüber höchstens eine marginale Rolle in der Risikosenkung.
Die Ergebnisse deuten auf die Bedeutsamkeit der GLM-Lebensbedürfnisse von Straftätern für die Senkung des Rückfallrisikos hin. Implikationen für die Behandlungspraxis werden diskutiert.

Keyword: Good-Lives Modell, Protektive Faktoren, Rehabilitation, Ressourcen, Straftäterbehandlung