Schmidt, Alexander F., Müller, Jana

Evaluation einer Minimalintervention zur Vorbeugung ungünstiger Haftverläufe

Minimalinterventionen haben in letzter Zeit in verschiedenen Bereichen erstaunliche (behaviorale) Langzeiteffekte erzielt. Ein Beispiel hierfür sind sogenannte Self-Affirmation-Interventionen, die sich lediglich auf das Ausfüllen eines speziell entwickelten Fragebogens beschränken. Im Rahmen der Intervention werden selbstrelevante Werte salient gemacht und als Ressource gestärkt. Speziell für Personen, die sich in Transitionsphasen befinden, die das Risiko maladaptiver Prozesse erhöhen, sind protektive Effekte gezeigt worden, wie z.B. beim Übergang von Schule zur Universität oder bei Jugendlichen, die sich nach illegalem Drogengebrauch in kurzen nicht-freiwilligen sekundären Präventionsmaßnahmen befinden. Self-Affirmation Interventionen sind äußerst ökonomisch und therapeutisch elegant, da sie von der Klientel innerhalb von etwa 15 Minuten selbst administriert werden können und auch nicht so einfach als Intervention erkannt werden. In der vorgestellten Studie wird die Adaption dieser Interventionsform für den Haftkontext in einer Justizvollzugsanstalt vorgestellt. In einem randomisierten Kontrollgruppendesign werden die Haftverläufe von Versuchspersonen hinsichtlich selbstberichteter Ressourcen und psychischer Belastung sowie prokrimineller Einstellungen und disziplinarischer Vorfälle über einen Zeitraum von drei Monaten miteinander verglichen. Erste Ergebnisse dieser explorativen Interventionsevaluation werden vorgestellt und hinsichtlich Ihrer Implikationen für die Praxis diskutiert.