Murmann, Anja; Quinten, Laura; Banse, Rainer; Warkentin, Rafaela

Führt die Beschäftigung mit dem zukünftigen Selbst zu weniger Delinquenz? – Eine Replikationsstudie

In den letzten Jahren haben immer mehr Studien gezeigt, dass geringe Zukunftsorientierung mit selbstschädigendem Verhalten in verschiedenen Bereichen einhergeht (z.B. finanzielle Risikobereitschaft, Prokrastination). Die Tendenz im Hier und Jetzt zu leben, ohne sich Gedanken über spätere Konsequenzen des eigenen Verhaltens zu machen, wird auch in Verbindung mit Delinquenz schon seit Jahrzehnten diskutiert. Wir stellen die direkte Replikation einer Studie (Van Gelder, Hershfield & Nordgren, 2013) vor, die einen sehr einfachen Ansatz für eine Intervention in diesem Bereich nahelegt: Demnach sollten Versuchspersonen, die einen Brief an ihr zukünftiges Selbst geschrieben haben, weniger geneigt sein, sich in hypothetischen Dilemma-Situationen für delinquentes Verhalten zu entscheiden als Versuchspersonen der Kontrollgruppe. Unsere Ergebnisse stellen dies in Frage. Eine weitere Interventionsstudie (Van Gelder, Luciano, Weulen Kranenbarg & Hershfield, 2015), in der es um lebhaftere Vorstellungen vom zukünftigen Selbst und tatsächliches delinquentes Verhalten im Alltag geht, wurde konzeptuell repliziert und auf das Thema Gesundheitsverhalten übertragen. Diese Ergebnisse sowie die Replikation einer dritten Studie (Monroe, Ainsworth, Vohs & Baumeister, 2017) zum Thema Risikobereitschaft liefern ebenfalls Hinweise darauf, dass mehr Forschung zu Auftretensbedingungen des Effektes und den zugrundeliegenden Mechanismen notwendig ist.

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