Maier, Benjamin; Volbert, Renate; Wachholz, Sina; Niehaus, Susanna

Der diagnostische Wert der Inhaltsmerkmale im Kontext subjektiver Täuschungsstrategien

Die in dem überarbeiteten Merkmalskatalog (Volbert & Steller, 2014) vorgenommene Einteilung der Inhaltsmerkmale in drei Hauptgruppen (episodisch, schemaabweichend und strategiebezogen) gründet sich im Wesentlichen auf folgende theoriegeleitete Überlegung: Die Inhaltsmerkmale treten stärker in erlebnisbasierten Aussagen auf, da im Vergleich zu wahrheitsgemäß berichtenden Personen Lügende höhere Anstrengungsbemühungen für die Bewältigung kreativer sowie strategischer Anforderungen aufwenden müssen. Für letztere wird angenommen, das Laien strategiebezogene Merkmale intuitiv als glaubhaftigkeitsabträglich bzw. strategisch ungünstig bewerten und daher in Täuschungssituationen bestrebt sind, deren Produktion zu vermeiden. Zielstellung der vorliegenden Arbeit ist, die Gültigkeit dieser Annahme empirisch zu unterlegen. Als Datengrundlage dienen Ergebnisse von zwei vorherigen Untersuchungen (Niehaus et. al, 2005; Wachholz, 2016), welche Probanden nach ihren subjektiven Täuschungsstrategien befragten. Darüber hinaus wird Bezug genommen auf einen neuartigen Erhebungsansatz, der Probanden instruierte, den Wahrheitsstatus einer konstruierten Geschichte zu erschließen. Die Ergebnisse bestätigten über alle drei Untersuchungen hinweg, dass Täuschende strategiebezogene Merkmale generell als glaubhaftigkeitsabträglich einschätzen. Zudem zeigte sich, dass auch den der kreativen Komponente zugeordneten Merkmalen (episodische und schemaabweichende Merkmale) strategisches Gewicht beigemessen wird. Auf motivationaler Ebene bekräftigen die Befunde insgesamt die Gültigkeit des überarbeiteten Merkmalskatalogs, da die strategischen Bewertungen innerhalb einer Merkmalsgruppe weitestgehend homogen waren, sich zwischen bestimmten Gruppen aber konsistent unterschieden.