Schemmel, Jonas; Maier, Benjamin; Volbert, Renate

Verbessern Verhaltensproben die Trefferquote? – Zum diagnostischen Nutzen von Baseline-Statements von Zeugen für die Unterscheidung ihrer erlebnisbasierten und erfundenen Aussagen

In der Glaubhaftigkeitsbegutachtung sollen zusätzlich erhobene Angaben eines Zeugen zu persönlich relevanten Ereignissen (sog. Verhaltensproben) dem Sachverständigen als intraindividuelle Referenz dienen, um eine an den personalen Voraussetzungen des Zeugen orientierte Einordnung der relevanten Aussagequalität vornehmen zu können. Bislang ist jedoch nie geprüft worden, ob und inwieweit Verhaltensproben die Unterscheidungs(fähigkeit) von erlebnisbasierten und erfundenen Aussagen tatsächlich beeinflussen. Dies wurde erstmals mit einer Online-Studie (4×2-within-Design) untersucht, deren erste Ergebnisse vorgestellt werden sollen. Dabei beurteilten Teilnehmer die Glaubhaftigkeit von erlebnisbasierten oder erfundenen Target-Aussagen, nachdem sie entweder keine, eine erlebnisbasierte, eine erfundene oder eine erlebnisbasierte sowie eine erfundene Baseline-Aussage derselben Person gelesen hatten, welche auch die jeweilige Target-Aussage produziert hatte. Dabei war der Wahrheitsstatus der Baseline-Aussagen jeweils bekannt. Neben den Trefferquoten können mithilfe der Signal Detection Theory (SDT) vor allem mögliche Unterschiede zwischen den Bedingungen bzgl. des Beurteiler-Bias sowie der jeweiligen Sensitivitäten betrachtet werden. Implikationen für weitere Forschung und den diagnostischen Nutzen von Verhaltensproben für die Glaubhaftigkeitsbegutachtung werden diskutiert.