Beelmann, Andreas; Maichrowitz, Sabrina; Schulz, Sebastian; Arnold, Louisa

Prävention negativer Armuts- und Migrationsfolgen von Kindern und Jugendlichen. Eine Meta-Analyse zur Wirksamkeit von Bildungs- und Präventionsprogrammen auf die Sozialentwicklung.

Armut und Migration sind häufig bestätigte Risikofaktoren für Bildungs- und Entwicklungsprobleme junger Menschen, darunter auch Drogenkonsum und Dissozialität. Zur Vermeidung und Kompensation negativer Armuts- und Migrationsfolgen wurden zahlreiche Bildungs- und Präventionsprogramme entwickelt und evaluiert. Im Beitrag werden die Ergebnisse einer umfangreichen Meta-Analyse zu diesem Thema vorgestellt. Nach Durchsicht von über 25.000 internationalen Forschungsberichten wurden fast 500 empirische Wirksamkeitsstudien nach spezifizierten Qualitätskriterien ausgewählt, an denen insgesamt über 200.000 Kinder und Jugendliche aus Armuts- und Migrationskontexten teilnahmen. Zunächst zeigte sich, dass die analysierten Präventionsmaßnahmen und Bildungsprogramme erfolgreich zur Verbesserung von Entwicklungspotentialen und zur Abschwächung von Entwicklungsrisiken eingesetzt werden können. Unsere Analyse besonders aussagekräftiger internationaler Evaluationen ergaben Effektstärken in einer Größenordnung um ca. 0.20 bis 0.30 (d). Dies sind allerdings durchschnittliche Werte über alle Untersuchungen, Maßnahmen, Teilnehmer und Erfolgskriterien, die weiter differenziert werden müssen. Besonders akzentuierte Erfolge erzielten zum Beispiel Sprachförderprogramme, die bei Kindern und Jugendlichen aus Migrationskontexten, aber auch aus Armutskontexten sehr erfolgreich eingesetzt werden können. Auch Maßnahmen zur Bildung von Eltern und Lehrern erwiesen sich in beiden Anwendungskontexten als lohnende Präventionsansätze. Dagegen erwiesen sich die Maßnahmen im Einfluss auf die Sozialentwicklung in beiden Bereichen als unterdurchschnittlich effektiv. Vor diesem Hintergrund wird die Frage diskutiert, ob individuelle Präventionsmaßnahmen nicht durch makro-soziale Intervention ergänzt werden oder gar ersetzt werden müssen.