Quinten, Laura; Oberlader, Verena; Banse, Rainer

Wie valide sind inhaltsbasierte Methoden zur Unterscheidung von erlebnisbasierten und erfundenen Aussagen? Eine Metaanalyse.

Während die Trefferrate bei subjektiven Beurteilungen von erlebnisbasierten und nicht-erlebnisbasierten Aussagen kaum über Zufallsniveau liegt und auch die Validität psychophysiologischer sowie nonverbaler Ansätze eingeschränkt ist, sind inhaltsbasierte Methoden im forensischen Kontext in Europa etabliert. Gemäß der Grundidee dieses Ansatzes unterscheiden sich erlebnisbasierte und nicht-erlebnisbasierte Aussagen in ihrer inhaltlichen Qualität. Ziel der Metaanalyse war es, die Validität der bekanntesten inhaltsbasierten Methoden, Criteria-Based Content Analysis (CBCA) und Reality Monitoring (RM), zu untersuchen. Anhand verschiedener Entscheidungsregeln wurden 56 deutsch- und englischsprachige Studien einbezogen. Hinsichtlich der Unterscheidung von erlebnisbasierten und erfundenen Aussagen ergab sich eine Gesamteffektstärke von g = 1.03 (95% CI [0.78, 1.27], Q = 420.06, p < .001, I² = 92.48%, N = 3429), wobei sich zwischen den Verfahren CBCA und RM keine signifikanten Unterschiede zeigten. Zusätzlich wurden Merkmale der Studienteilnehmer, der Aussagen, des Beurteilungsprozesses sowie allgemeine Studiencharakteristika als Moderatorvariablen untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Anwendung aller 19 CBCA-Kriterien für die Vorhersage erlebnisbasierter und erfundener Aussagen bessere Ergebnisse liefert als jedes unvollständige Set von CBCA-Kriterien. Im Vergleich zu Entscheidungen, die auf Summenscores basierten, fanden sich zudem höhere Trefferquoten bei Aussagen, die anhand von Diskriminanzfunktionen als wahr oder erfunden klassifiziert wurden. Für unveröffentlichte Studien ergaben sich höhere Effektstärken als für publizierte Studien. Zusätzlich wurde die Metaanalyse um verschiedene Test- und Korrekturverfahren (p-curve/p-uniform, PET-PEESE, selection models) erweitert, um die vielversprechenden Ergebnisse gegen Verzerrungen (publication bias, p-hacking) abzusichern.