King, Sonja; Bender, Doris; Lösel, Friedrich
Instrumente zur Risikobeurteilung extremistisch motivierter Straftäter

Um das Risiko von Gewalttaten einschlägig auffällig gewordener Individuen abzuschätzen, sind etliche strukturierte Instrumente entwickelt worden. Im Gegensatz zu den zahlreichen empirischen Studien zur strukturierten Risikodiagnose bei anderen Gewalttätern (Singh et al., 2011; Yang et al., 2010) mangelt es allerdings an prospektiven Längsschnittuntersuchungen großer Stichproben, die eine stichhaltige Beurteilung der Validität erlauben. Vor diesem Hintergrund haben wir uns im Rahmen des von der Europäischen Kommission geförderten PROTON-Projekts mit der Inhalts- und Konstruktvalidität in der Praxis verwendeter Instrumente befasst. In diesem Beitrag stellen wir verschiedene Instrumente vor, die zur individuellen Risikobeurteilung verwendet werden (ERG 22+, MLG, IVP, TRAP-18, VERA). Diese unterscheiden sich teilweise in ihrem zugrunde liegenden theoretischen und strukturellen Ansatz sowie den Zielgruppen, haben aber auch etliche Gemeinsamkeiten. Wir vergleichen einige dieser Instrumente hinsichtlich ihrer Konzeption und unterziehen sie, soweit zugänglich, einer inhaltlichen Analyse. Gefragt wird unter anderem: Welche Risikofaktoren wiederholen sich in mehreren Instrumenten, wie genau sind sie ausformuliert, welche werden nur vereinzelt genannt und inwieweit werden protektive Faktoren einbezogen? Im Rahmen unserer Synopse erörtern wir auch Fragen der praktischen Anwendung (z.B. Gefahren der Veröffentlichung) sowie ethisch-rechtliche Probleme, die in der internationalen Diskussion eine Rolle spielen.