Stemmler, Mark; Endres, Johann; King, Sonja
Methoden der Datengewinnung in der Extremismusforschung: Analyse von Gefangenenpersonalakten

Zur individuellen Risikobeurteilung von Straftätern werden unter anderem sogenannte „Structured Professional Judgement (SPJ)“-Instrumente herangezogen. Fraglich ist, ob und wie solche Instrumente auch in der Extremismusforschung genutzt werden können.
Diese sieht sich grundsätzlich mit erheblichen Schwierigkeiten bei der Datenerhebung konfrontiert (Silke, 2001). Neben Problemen beim Zugang zu Extremisten erschweren unter anderem eine geringe Kooperationsbereitschaft sowie sprachliche Hürden eine systematische Befragung entsprechender Probanden. Dies macht eine alternative Form der Datengewinnung erforderlich.
In Bayerns Justizvollzugsanstalten befanden sich im Februar 2017 etwa 50 Inhaftierte, die mit Salafismus oder Islamismus in Verbindung gebracht werden. In einem gemeinsamen Projekt der FAU Erlangen-Nürnberg und des Kriminologischen Diensts des bayerischen Justizvollzugs wurden die Gefangenenpersonalakten dieser Inhaftierten untersucht.
Dabei wurden die Akten anhand eines Leitfadens schriftlich zusammengefasst. Parallel dazu wurden Kriterien kodiert, die Publikationen zu verschiedenen Risikobeurteilungsinstrumenten (SPJs) entnommen und mit sowohl aus der Literatur (z. B.Loza, 2007; Mansour, 2016) abgeleiteten Aspekten als auch bereits empirisch untersuchten allgemeinen Risikofaktoren für Gewaltstraftaten ergänzt wurden.
Die Untersuchung hatte das Ziel zu prüfen, ob diese Kriterien zur Analyse von Aktenmaterial angewendet werden können und wie häufig sie in der Stichprobe vorlagen.