Lösel, Friedrich; Bender, Doris; King, Sonja
Schutzfaktoren gegen Radikalisierung und extremistisch motivierte Straftaten

Die Forschung zu Risikofaktoren in der Gewalt- und Kriminalprognose hat in den letzten zwanzig Jahren deutliche Fortschritte gemacht und zu einer Reihe von relativ validen strukturierten Instrumenten geführt (Rettenberger & Franqué, 2013). Weniger erforscht sind dagegen protektive Faktoren, die bislang erst ansatzweise in die Diagnoseinstrumente einbezogen werden. Dies hat mit grundsätzlichen Problemen der Konzeptualisierung in diesem Bereich zu tun (Bender & Lösel, 2003; Lösel & Farrington, 2012). Die Frage nach empirisch fundierten Schutzfaktoren gilt insbesondere auch für extremistisch motivierte Straftäter und Prozesse der Radikalisierung oder De-Radikalisierung. Im Rahmen eines von der Europäischen Union geförderten Projekts über organisierte Kriminalität und Terrorismus (PROTON) führen wir deshalb einen systematischen Review der empirischen Forschung zu protektiven Faktoren im Zusammenhang mit Extremismus, Radikalisierung und einschlägiger Straftaten durch. Der Beitrag erläutert unser Vorgehen und die Ergebnisse, die nach dem derzeitigen Stand ein erhebliches Defizit an einschlägiger kontrollierter Forschung zeigen. Konzeptuelle und methodische Probleme werden diskutiert. Außerdem wird auf die große Bedeutung dieser Thematik für die Praxis der Intervention eingegangen.