Endres, Johann; King, Sonja
Welche Rolle spielt religiöses Wissen für islamistische Radikalisierung?

Im Zusammenhang mit Radikalisierung in Richtung eines islamistischen Extremismus wird häufig auf „religiösen Analphabetismus“ bzw. fehlendes religiöses Wissen und eine unreflektierte religiöse Sozialisation verwiesen. Die genaue Rolle von „religiösem Wissen“ ist bislang unklar. In Betracht kommen sowohl protektive Mechanismen (Wissen als Immunisierung gegen Ideologie) als auch eine Funktion als Risikofaktor (traditionelle religiöse Sozialisation als Ausgangspunkt für Radikalisierung). Weiterhin ist nicht geklärt, welche Wissensdimension betrachtet werden sollte (Fakten-, konzeptuelles oder prozedurales Wissen). Zur empirischen Klärung dieser Fragen wurden folgende Instrumente entworfen:
1. Fragebögen zur quantitativen Messung religiösen Wissens in Parallelversionen zu Wissen über Christentum und Islam (Faktenwissen und religiöse Praxis) sowie zu Gemeinsamkeiten der beiden Religionen.
2. Fragebogen zur religiösen Sozialisation; erfasst u.a. Vermittlung religiöser Inhalte, Stellenwert der Religion (in der Herkunftsfamilie und persönlich), Angstpädagogik.
3. Erhebungsinstrument zum religiösen Fundamentalismus: Dieses orientiert sich besonders an aktuell relevanten Strömungen (Salafismus) und beinhaltet u.a. Buchstabengläubigkeit, Lebensfeindlichkeit, Dämonisierung der Sexualität, Opfermentalität und Feindbilder.
Erhoben wurden Daten aus der Allgemeinbevölkerung mittels einer online-Erhebung (N = 207) sowie von Insassen bayerischer Jugendarrestanstalten. Vorgestellt werden Analysen zur Messgüte der Skalen sowie zur Prüfung der Hypothesen über den Zusammenhang von Wissen/Sozialisation und Ideologie.