Sauter, Julia; Stasch, Joanna; Jäger, Vincent; Dahle, Klaus-Peter
Wer soll in der Sicherungsverwahrung eigentlich behandelt werden? Über Vorbehandlung, Hospitalisierung und Ausgangsrisiko der in der Abteilung für Sicherungsverwahrung der JVA Tegel untergebrachten Personen.

Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung vom 04.05.2011 (2 BvR 2365/09) festgelegt, dass die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung so zu gestalten ist, dass dem verfassungsrechtlichen Abstandsgebot Rechnung getragen wird. Neben der im Vergleich zum Strafvollzug ausgeprägteren Ausrichtung an die allgemeinen Lebensbedingungen sowie der Freiheitsorientierung, steht spätestens seit dieser Entscheidung der Behandlungsgedanke insbesondere hinsichtlich einer dauerhaften Motivationsarbeit im Vordergrund der Arbeit der Abteilungen für den Vollzug der Sicherungsverwahrung. Aber kann dieser Auftrag in der Praxis überhaupt umgesetzt werden?
Im Sinne einer ausführlichen Eingangsdiagnostik werden die Stand September 2016 im Land Berlin in der Sicherungsverwahrung untergebrachten Personen (n=45) bezüglich erfolgter Vorbehandlungen, Hospitalisierung durch Aufenthalt in (geschlossenen) Institutionen, etwaiger Diagnosen nach ICD-10 sowie standardisierter Prognoseinstrumente (PCL-R, Static-99, LSI-R) genauer analysiert. Zudem werden die in der Sicherungsverwahrung untergebrachten Personen hinsichtlich dieser Variablen mit denjenigen Personen, bei denen eine Anordnung der Sicherungsverwahrung zwar erfolgte, selbige aber aufgrund einer zu Strafhaftende hinreichend günstigen Legalprognose nicht angetreten werden musste (n=20), verglichen. Abschließend soll diskutiert werden, inwiefern die (gesetzlich vorgeschriebenen) Behandlungsangebote unter Berücksichtigung der Bedürfnisse dieser Klientel umsetzbar sind bzw. welche Schwierigkeiten hierdurch entstehen können.

Keywords: Sicherungsverwahrung, Behandlung, Hospitalisierung, Kriminalprognose