Pettke, Olivia; Dahle, Klaus-Peter; Schmidt, Stefanie
Rückfallrisikoprognose bei Sexualstraftätern mit Migrationshintergrund

Die prädiktive Validität standardisierter Instrumente zur spezifischen Rückfallvorhersage bei Sexualstraftätern (z.B. Static-99) wurde bereits in vielfachen Studien untersucht und gilt als empirisch gesichert.
Allerdings beziehen sich Studien zur prädiktiven Validität sowie Normierungsstichproben überwiegend auf den Euro-Amerikanischen Raum. Erste Forschungsarbeiten zeigen bereits, dass die prädiktive Validität mit zunehmendem Anteil kultureller Diversität der Untersuchungsstichproben abnimmt. Mit Blick auf eine ähnliche schwedische Untersuchung (Langström, 2004) wurde angenommen, dass auch in Deutschland die Vorhersagegüte für Sexualstraftäter aus dem Nahen-Osten bzw. Nordafrika geringer ausfällt als für Täter ohne Migrationshintergrund.
Anhand einer Stichprobe von 950 rechtskräftig abgeurteilten Sexualstraftätern wurde die prädiktive Validität verschiedener standardisierter Instrumente zur Vorhersage einschlägiger Rückfälle in einem durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von über 9 Jahren vergleichend untersucht.
Es zeigte sich, dass die Vorhersagegüte einschlägiger Rückfälle verschiedener standardisierter Prognoseinstrumente bei Sexualstraftätern mit Migrationshintergrund aus dem Nahen-Osten bzw. Nordafrika (n=107) geringer ausfiel als für Täter ohne Migrationshintergrund (n=703) oder mit Migrationshintergrund aus anderen Ländern (n=140).
Anhand weiterführender Analysen wird diskutiert, welchen Einfluss das Indexdelikt, das Alter der Täter und das Vorliegen einer sexuellen Devianz auf die Ergebnisse haben könnten. Es soll erörtert werden, welche Hindernisse bei der Anwendung standardisierter Verfahren bei Sexualstraftätern mit Migrationshintergrund auftreten und welcher prognostische Zugewinn aus der Erfassung des Tatverhaltens resultieren könnte.