Rohmann, Florian
Strafmaße messen – ein Methodenvergleich am Beispiel von Ankereffekten

Das deutsche Strafrecht sieht verschiedene Sanktionsmöglichkeiten vor, darunter insbesondere Geldstrafen, bedingte und unbedingte Freiheitsstrafen. Die somit nicht nur quantitativen, sondern auch qualitativen Unterschiede einzelner Strafmaße bringen es mit sich, dass Wissenschaftler/-innen je nach Forschungsziel und -gegenstand vor einer Vergleichbarkeitsproblematik stehen. Ob Nichtbeachtung, Nutzung heuristischer Vorgehensweisen oder Entwicklung empirisch fundierter Skalierungsmethoden – der Umgang mit dieser Herausforderung variiert erheblich.
Auf welche Weise dem Problem begegnet wird, erscheint vor allem im Zusammenhang mit der experimentellen Untersuchung von Ankereffekten relevant, dem Phänomen, dass das Vorhandensein eines hohen vs. niedrigen Vergleichswertes typischerweise zu einer Urteilspolarisierung in die jeweilige Richtung führt. In Abhängigkeit von Deliktkonstellation und Wahl der Anker mag es nämlich sein, dass die Fallzahlen der jeweiligen Strafarten ungleich zwischen den Versuchsbedingungen verteilt sind. So kann es etwa zu einer Häufung von Bewährungsaussetzungen bei Vorgabe einer niedrigen (vs. hohen) Freiheitsstrafe als Vergleichswert kommen, da eine Aussetzung lediglich bis zu einer Höhe von zwei Jahren möglich ist.
Im Beitrag wird eine Skalierungsmethode präsentiert, die eine Abbildung von bedingten und unbedingten Freiheitsstrafen auf einer gemeinsamen Strafhärte-Dimension erlaubt. Darüber hinaus wird anhand einer Studie zu Ankereffekten demonstriert, dass Datentransformationen via Strafhärteskalierung oder „Faustregeln“ bzw. die Nichtbeachtung der Vergleichbarkeitsproblematik unterschiedliche Entscheidungen beim statistischen Hypothesentest nach sich ziehen können.