Hollerbach, Pia; Habermeyer, Elmar
Konstruktvalidität der deutschen Fassung der Hare Psychopathy Checklist-Revised (PCL-R): Konvergente und diskriminante Validität

Die Daten von 118 männlichen Straftätern stammen aus der Entwicklungsstudie zur deutschen PCL-R. Zunächst wurde die faktorielle Struktur durch eine Konfirmatorische Faktorenanalyse über ein so genanntes Parcel-Modell getestet. Hierbei zeigte sich eine gute Anpassung zwischen der theoretischen Annahme des Vier-Faktoren-Modells und der empirischen Struktur. Die Überprüfung der konvergenten Validität erfolgte über den Abgleich der PCL-R-Facetten mit den vier Teilbereichen der Self Report Psychopathy-Skala (SRP; deutsche Fassung), eines Selbstberichtsfragebogens, der 64 Items umfasst, die auf einer fünfstufigen Skala beantwortet werden. Nach Maßgabe einer Multi-Trait-Multi-Method-(MTMM-) Matrix ergaben sich hierbei Übereinstimmungen zwischen den einander entsprechenden Facetten/Teilbereichen. Die statistische Auswertung der MTMM-Matrix nach der Methode von Sawilowsky (2002; Meas Eval Counsel Dev) erbrachte ein signifikantes Ergebnis (p < .05). Die diskriminante Validität wurde im Hinblick auf die Konstrukte Alexithymie und Impulsivität sowie die Persönlichkeitsdimensionen der Big Five nach Costa und McCrae überprüft. Im Rahmen einer Kanonischen Korrelationsanalyse (Set-Korrelation = .50) zeigten sich zum einen Divergenzen zwischen den so genannten psychopathischen Kernpersönlichkeitseigenschaften (Faktor 1 der PCL-R) und nervlicher Labilität (Neurotizismus). Zum anderen war soziale Devianz (Faktor 2 der PCL-R) hoch korreliert mit Dranghaftigkeit als Komponente der Impulsivität. Schließlich ist hervorzuheben, dass der PCL-R-Gesamtwert leicht negativ korreliert war mit Fremdtäuschung und unabhängig von positiver Selbstdarstellung (Nullkorrelation).