Bondü, Rebecca; Malsy, Franziska
Einflüsse von Ekel- und Ungerechtigkeitssensibilität auf die Bewertung von Straftaten

Frühere Studien zeigen, dass hohe Ekelsensibilität bzw. moralische Hypervigilanz eine härtere Beurteilung von Straftaten prädiziert. Ungerechtigkeitssensibilität als weiteres, teilweise ähnliches Persönlichkeitsmerkmal mit besonderem Bezug zur individuellen Wichtigkeit von Gerechtigkeit könnte daher ebenfalls Einfluss auf die Bewertung von und Reaktion auf Straftaten nehmen. So sind hoch ungerechtigkeitssensible Personen beispielsweise daran interessiert, gegen Ungerechtigkeit zu protestieren und diese auszugleichen. In der vorliegenden Studie schätzten N=234 Probanden im Alter von 16 bis 84 Jahren ihre Ungerechtigkeitssensibilität und Ekelsensibilität sowie ihre Rache- und Ärgerneigung sowie Autoritarismus ein. Den Probanden wurden außerdem vier ambigue Schilderungen von Straftaten vorgelegt, bei denen die Täterschaft unklar blieb. Im Anschluss daran sollten sie die Schuld- und Boshaftigkeit des Täters sowie die Verwerflichkeit der Tat einschätzen und ein Strafmaß für den Täter festlegen. Erwartungsgemäß sagte insbesondere eine hohe Ungerechtigkeitssensibilität gegenüber eigenen Nachteilen (Opfersensibilität) eine strengere Bewertung der vorgelegten Straftaten vorher. Bei Kontrolle von weiteren Persönlichkeitsmerkmalen in den Regressionsmodellen zeigten allerdings insbesondere moralische Ekelsensibilität und Ärgerneigung stärkere Effekte auf die Bewertung der Taten als Ungerechtigkeitssensibilität. Die praktischen Implikationen der Befunde werden diskutiert.