Hosser, Daniela; Krokoszinski, Lars; Westenberger, Adrian
Psychologische Charakteristika von Betrügern

Betrug stellt mit einem Anteil von ca. 15% national die am dritthäufigsten registrierte Straftat dar. Dennoch liegen bislang nur sehr wenige empirische Erkenntnisse über psychologische Merkmale und delinquenzbezogene Einstellungen von Betrügern vor. Die Delikttheorie bietet ebenfalls kaum Ansatzpunkte für eine gezielte Straftäterbehandlung oder valide Rückfallprognosen. Vor diesem Hintergrund werden aktuelle Befunde von drei empirischen Untersuchungen mit männlichen, inhaftierten Betrügern vorgestellt, bei denen Vergleiche zu Gewaltstraftätern und nicht-straffälligen Personen gezogen wurden. Studie 1 erfasste Persönlichkeitsmerkmale sowie psychophysiologische Maße beim Lügen (N=60). Studie 2 untersuchte in einem experimentellen Setting (N=32) emotionsregulative Prozesse beim Lügen sowie bei der moralischen Entscheidungsfindung unter Einbezug ausgewählter neuronaler Strukturen. Studie 3 (N=200) erfasste mittels Selbstangaben Persönlichkeitsmerkmale, kriminelle Einstellungen, Neutralisierungsstrategien und soziale Kompetenzen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Betrüger durch hohe Emotions- und Selbstkontrolle und hohe soziale Kompetenzen auszeichnen. Im Vergleich mit anderen Straftätergruppen sind Normorientierung und moralisches Urteilsvermögen höher ausgeprägt. Auf der Ebene psychophysiologischer Ableitungen finden sich ebenfalls spezifische Auffälligkeiten. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf die Weiterentwicklung einer Delikttheorie und Methoden der Straftäterbehandlung diskutiert.