Oberlader, Verena; Banse, Rainer
Der Einfluss der kriminellen und nicht-kriminellen Identität auf die Legalprognose

Aus qualitativen Interviewstudien geht hervor, dass sich Straftäter, die ihre kriminelle Karriere beenden (sog. Desister) und solche, die immer wieder rückfällig werden, in ihrem Selbstbild unterscheiden. Während sich erfolgreiche Desister vorrangig über nicht-kriminelle Identitätsanteile definieren, stellen Straftäter, die wieder rückfällig werden, kriminalitätsassoziierte Aspekte ihres Selbstkonzepts in den Vordergrund. Um den Einfluss des Selbstbildes auf die Kriminalprognose quantifizieren zu können, werden im Rahmen einer laufenden Längsschnittstudie in der Bewährungshilfe (N = 325) direkte und indirekte Messverfahren zur Erfassung der kriminellen und nicht-kriminellen Identität validiert. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen jedoch ausschließlich retrospektive Daten zur strafrechtlichen Vorgeschichte vor, die zur Schätzung der Rückfallwahrscheinlichkeit verwendet werden. Es wird angenommen, dass eine höhere Ausprägung der kriminellen bzw. eine geringere Ausprägung der nicht-kriminellen Identität (Fragebogen, IAT) mit einer höheren Rückfallwahrscheinlichkeit (Offender-Group-Reconviction-Scale, OGRS) einhergeht. Die vorläufigen Ergebnisse bestätigen die interne Validität sowie die Konstruktvalidität der Identitätsmaße. Zudem zeigten sich signifikante Zusammenhänge mit dem OGRS-Score. Die Bedeutung der Ergebnisse wird vor dem Hintergrund methodischer Limitationen (z.B. Validität der Angaben, Multikollinearität) diskutiert.