Donnerstag, 21.9.2017: 10:30 – 11:30 Uhr

Keynote Prof. Dr. Bannenberg

Amoktäter vs. Terroristen – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Abstract:

Zwischen Amoktaten und Terror gibt es Gemeinsamkeiten: Amoktäter und Terroristen bezwecken mit ihren Taten maximale Aufmerksamkeit durch die Medien. Sie suchen nach Bedeutung, Ruhm und Anerkennung. Sehr interessant sind gegenseitige Bezugnahmen. Die Täter lernen voneinander, was die Wahl der Tatmittel, des Tatorts und die Verbreitung der Hassbotschaften und Gewaltrechtfertigungen angeht. Amoktäter sind in der Regel Einzeltäter. Betrachtet man bei Terroristen Biographie und Persönlichkeit, so bietet sich eine Unterscheidung von Einzeltätern und Gruppentätern an. Ideologisch motivierte terroristische Einzeltäter und Amoktäter weisen viele Gemeinsamkeiten auf (Persönlichkeit, Art der psychischen Auffälligkeiten, Suizidneigung, relativ langsame Radikalisierung, Hass und Gewaltrechtfertigungen verbunden mit subjektiver Kränkbarkeit). Wichtig ist auch, die Art der psychischen Auffälligkeit näher zu analysieren, weil oft vorschnell und ungerechtfertigt Persönlichkeitsstörungen mit Psychosen verwechselt werden. Bei Einzeltätern überwiegen (narzisstische) Persönlichkeitsstörungen, die nicht zur Schuldunfähigkeit führen, aber trotzdem einen erheblichen Beitrag zum Verständnis dieser Taten leisten. Terroristische Gruppentäter hingegen sind eher Kriminelle mit strafrechtlichen Vorbelastungen und typischen dissozialen Verhaltensweisen, die den Kontakt zur Gruppe suchen. Die terroristischen Gruppentäter versuchen ebenfalls Angst und Schrecken zu verbreiten und setzen auf die Signalwirkung ihrer Taten; im Vordergrund steht für sie aber eine gruppenbezogene (Hass-) Botschaft: Die Angehörigen der potentiellen Opfergruppe oder die Gesellschaft als Ganzes sollen sich nicht mehr sicher fühlen. Im Vortrag werden aktuelle empirische Erkenntnisse vorgestellt.

Moderation: Prof. Dr. Andreas Beelmann