Freitag, 22.9.2017: 08:30 – 09:30 Uhr

Prof. Dr. Ulrich Wagner

Sozialpsychologische Grundlagen der Radikalisierung

Abstract:

Menschen können mit Unsicherheit schlecht umgehen. Sie suchen nach Antworten und dabei bevorzugt solchen, die zu ihren Überzeugungen passen. Das führt zu Fehlern in Informationssuche und -verarbeitung, insbesondere dann, wenn die kognitiven Prozesse mit Emotionen verknüpft sind. Und, die Suche nach Sinn macht für Scheinerklärungen empfänglich. Die beschriebenen Mechanismen im Zusammenhang mit Sinnsuche sind (Mit-)Ursache für rechte wie für religiös motivierte Radikalisierung. Staatlicherseits wird auf Radikalisierung gegenwärtig bevorzug mit Repression reagiert, indem Gefährder wegen ihrer (unterstellten) Überzeugungen in Vorbeugehaft genommen werden – was rechts- und demokratietheoretisch problematisch ist – und indem die Strafen für extremistische Gewalt verschärft werden – was psychologisch wenig überzeugt und im Fall von Selbstmordattentätern Unsinn ist. Eine vermutlich deutlich wirksamere Alternative ist primäre Prävention, d.h. frühzeitig an den bekannten fördernden Bedingungen für die Entstehung von Radikalisierung ansetzen sowie protektive Faktoren stärken, wie beispielsweise durch den Einsatz von Kontaktprogrammen.

Moderation: Prof. Dr. Rainer Banse